Abwrackprämie wandert nach Spanien aus

Ein Konjunkturmodell nach deutschem Vorbild soll Spaniens darbender Autoindustrie neuen Schwung verleihen: Spaniens Minsterpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, Mitglied der mittelinks stehenden PSOE-Partei, plant die Einführung der hierzulande berühmt-berüchtigten Abwrackprämie. Ein staatlich finanzierter Zuschuss, der zur Verschrottung alter Gebrauchtwagen und zum Kauf flotter Neuwagen animieren soll, gilt nun auch auf der iberischen Halbinsel als Geheimrezept gegen die Misere in der Automobilbranche. Dies berichtet das deutschsprachige „Mallorca Magazin“.

Prämie beträgt 500 Euro

Spanien, arg gebeutelt von der globalen Wirtschaftskrise, verfügt dabei über deutlich weniger finanziellen Spielraum: Während die deutsche Bundesregierung sich in Spendierhose präsentierte und das muntere Autoverschrotten mit 2.500 Euro pro Neuwagenkauf belohnte, steuert die spanische Regierung vergleichsweise magere 500 Euro bei. Die entscheidenden Impulse verspricht man sich von den Fahrzeugherstellern: Diese stocken die in hiesigen Gefilden auch als euphemistisch bezeichnete Umweltprämie mit einer Investition von 1.000 Euro auf insgesamt 1.500 Euro auf. Damit hinkt Spanien der deutschen Konjunkturmaßnahme noch immer relativ deutlich hinterher, kann aber auf großzügige Unterstützung verschiedener regionaler Kommunen zählen: Die Kanaren etwa werfen weitere 500 Euro pro Neuwagenkauf in den großen Abwracktopf, andere Regionen schließen sich an.

Noch scheint aber kein ausgeklügeltes System gefunden, wie die spanische Version der Umweltprämie zur Anwendung kommen soll. In Deutschland feierten deutsche Autobauer nach der Einführung der staatlichen Prämie eine wahre „Abwrackparty“, die Verkaufszahlen stiegen an, der Run auf den begehrten Zuschuss war immens. Dies bewegte die Bundesregierung anfangs April dazu, das geschnürte Förderpaket von 1,5 Milliarden nochmals zu öffnen und es mit weiteren 3,5 Milliarden Euro auf insgesamt fünf Milliarden Euro zu füllen. Der ganze Topf reicht damit für insgesamt zwei Millionen Fahrzeuge.

Automarkt auch in Spanien schwer geschädigt

Davon scheint man in Spanien noch ein gutes Stück entfernt zu sein: In vielen regionalen Kommunen sind die Kassen leer, man blickt sehnlichst dem von der Regierung lange versprochenen regionalen Finanzausgleich entgegen, der die so dringend benötigten Millionen in die Kasse spülen würde. Auch Mallorca, beliebtes Urlaubsziel party- und trinkfreudiger Deutschen, ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen, erklärte Industrieministerin Francisca Vives dem „Mallorca Magazin“. Sollte die Regierung diesen bald absegnen, könne man auch die Abwrackprämie unterstützen, erklärte Vives.

Um dem mallorquinischen Automarkt wieder auf die Beine zu helfen, ist dringende Hilfe notwendig: Die Absatzzahlen sind im ersten Quartal massiv eingebrochen, rund die Hälfte weniger Autos sei im Vergleich zur Vorjahresperiode verkauft worden. Noch immer würden bis zu 14.000 Wagen auf Mallorca auf neue Käufer warten. Mit der Initiierung der Abwrackprämie erhofft sich die krisengeschüttelte Branche, den Bestand um mindestens 6.000 Autos zu reduzieren.

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