Das ewige Leid mit dem Autofahren
Passend zum Weltfrauentag letzte Woche wollte sich der Auto Club Europa den Frauen gegenüber gutmütig zeigen und legte vor: Von allen verursachten Autounfällen tragen Frauen nur 37 Prozent bei. Leider ist diese Rechnung aber nicht fundiert genug. Also folgt doch kein Loblied auf die deutschen Autofahrerinnen?
Das Statistische Bundesamt gibt genauer Zahlen frei: 2008 wurden 210.905 Autounfälle mit Verletzten registriert. 132.757 davon wurden von Vetretern des männlichen Geschlechts verursacht. Auf den ersten Blick ist das deutlich mehr als die Hälfte. Nicht berücksichtigt wird dabei aber, dass Männer auch 2,5 Mal mehr Strecke fahren als Frauen. Auch haben mehr Männer einen Führerschein, nämlich 93 Prozent, im Gegensatz zu den Frauen, von denen nur 82 Prozent über die Lizenz zum Autofahren verfügen. Rechnet man diese Ergebnisse nun in die Unfallstatistik mit ein kommt heraus, dass Frauen nicht 37 Prozent weniger, sondern ganze 42 Prozent mehr Unfälle verursacht haben als Männer, vorausgesetzt, sie beteiligen sich zum gleichen Maße am Autofahren. Schlussendlich ergibt dieses also, dass Frauen pro zurückgelegten Kilometer eher für Unfälle verantwortlich sind als Männer.
Wer als Mann nun aufspringt und jubelt, freut sich jedoch noch zu früh. Denn die Fahrweise von Frauen ist eindeutig die humanere. Bei Männern tritt im Autoverkehr ganz klar die Selbstbehauptung in den Vordergrund; es muss das Alphamännchen der Straße ermittelt werden. Dies wird durch Geschwindigkeit, Fluchen und dichtes Auffahren erreicht. Frauen hingegen regeln Probleme eher durch Kooperation und halten ihren Stresspegel vergleichsweise niedrig, in dem sie beispielsweise bei einer Verspätung den Arbeitgeber informieren, und nicht ihre Fahrweise anpassen. Auch wurde herausgefunden, dass mit steigender Beteiligung von Frauen am Verkehr die Gesamtzahl der Unfälle zurück gegangen ist.
Doch auch dies sagt noch nichts aus. Denn gleichzeitg wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Sicherheit im Autoverkehr verbessert, Teile Zubehör und Ausstattung wurden den Ansprüchen angepasst. Heutzutage sind Autos viel sicherer als damals, beispielsweise verhindert das ESP viele Unfälle und auch sonstige Elektronik und Assistenten ermöglichen ein sichereres Fahren. Und auf Grund der hochgelobten Emanzipation, in Folge derer Frauen auch ‘Männerberufe’ wie Soldat, Boxer oder Polizist annehmen können, kann auch vermutet werden, dass sich ihr Aggressionspotential im Straßenverkehr dem der Männer, zumindest in manchen Fällen, nähert.
Dass Männer und Frauen aber immer noch eine komplett unterschiedliche Sichtweise der Dinge haben, bewiesen schon Allan und Barbara Pease in ihrem mehrmals ausgezeichnetem Buch ‘Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken’. Durch das unterschiedliche Einschätzen von Raum und Bewegung, empfinden Frauen die Fahrweise von Männern oft als zu riskant. Männer hingegen haben ein stark selektiertes Sichtfeld und sehen manche Dinge später oder gar nicht, die Frauen schon viel früher auffallen. Sie betrachten nämlich eher das Gesamtbild, wohingegen Männer eher auf eine Sache, ihr ‘Zielobjekt’, konzentriert sind.
Schließlich und endlich lässt sich nicht sagen, ob Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind. Beide haben ihre Stärken und Schwächen und gehen mit verschiedenen Situationen anders um. Wie Winston Churchill schon sagte: „Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“